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Mission Glücklich sein: Genuss trotz Nahrungsmittelunverträglichkeit

 

Laktose, Fruktose, Gluten, Histamin: Schätzungen zufolge leidet jeder dritte Deutsche an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Was das für Betroffene bedeutet, wie Kochen trotzdem Spaß macht und das Essen schmeckt.

Unser Darm gehört zu den wichtigsten Organen in unserem Körper. Rund 1.000 verschiedene Darmbakterien leben dort und sorgen mit ihren über 100 Billionen Zellen dafür, dass unser Immunsystem stabil bleibt und wir vor Krankheiten geschützt werden. In den letzten Jahren haben Wissenschaftler neue, bahnbrechende Erkenntnisse über unsere Darmflora gewonnen: Sie beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern sogar unsere Psyche.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Rebellion im Darm

Ob wir uns wohlfühlen, hängt also maßgeblich damit zusammen, wie es unserem Darm geht. Ihm mit gesunder Ernährung, wenig Stress und viel Bewegung zu schmeicheln, sollte für uns oberste Priorität haben. Doch es gibt Fälle, in denen der Darm einfach rebelliert. Durchfall, Verstopfungen, Blähungen oder Sodbrennen: Viele Menschen leiden unter Magen-Darm-Problemen und fürchten, an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden. Wiederkehrende Beschwerden nach dem Essen weisen darauf hin – eindeutigen Aufschluss gibt die Diagnose beim Arzt.

Wie sehr Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf das Gemüt schlagen können, weiß Food-Bloggerin Steffi (www.kochtrotz.de). Vor einigen Jahren erhielt sie die Nachricht, dass sie gleich an mehreren Unverträglichkeiten leidet. Das hieß: Ab sofort kein Gluten, keine Laktose und keine Fruktose mehr. Seitdem hat sich in Steffis Alltag einiges verändert. Darüber berichtet die passionierte Köchin als Kochtrotz in ihrem Blog. Sie zeigt mit ihren Rezepten, wie gut Gerichte auch ohne Unverträglichkeitsauslöser schmecken können und wie jeder einen großen Bogen um seine Allergie-Trigger machen kann.

Nahrungsmittelunverträglichkeit testen lassen

Was Steffi schon hinter sich hat, steht vielen Leidenden noch bevor: eine eindeutige Diagnose. Die Beschwerden einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sind oft vielfältig und lassen sich subjektiv nicht immer eindeutig zuordnen. Von Selbsttests aus dem Internet oder dem sogenannten IgG-Text (Bestimmung des Antikörpers Immunglobulin G im Blut), mit denen viele Anbieter zur eindeutigen Diagnose locken, raten Experten von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ab. Betroffene sollten zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, dieser kann an einen Facharzt überweisen. Vor allem müssen weitere körperliche oder psychische Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden. Sich selbst aufgrund eines Verdachts einer bestimmten Diät zu unterziehen, ist nicht empfehlenswert.

Allergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Fälschlicherweise gehen viele davon aus, sie würden an einer NahrungsmittelALLERGIE leiden. Bei einer Allergie reagieren Betroffene schon auf kleinste Mengen eines eigentlich „ungefährlichen“ Lebensmittels. Es kommt im Körper beim Verzehr von Nüssen, Soja, Fisch oder anderen Produkten zu einer Fehlreaktion des Immunsystems, die sich zum Beispiel in Form von Hautausschlägen oder Schleimhautreizungen bis hin zum anaphylaktischen Schock äußert. Etwa drei bis vier Prozent der deutschen Bevölkerung ist von einer Nahrungsmittelallergie betroffen. Unverträglichkeiten sind weitaus häufiger.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Überblick

Fruktose und Laktose lösen in Deutschland die meisten Unverträglichkeiten aus. Eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) kommt hingegen nur selten vor.

Zöliakie

Es scheint, als würden immer mehr Menschen Gluten – also das Klebereiweiß in Getreide – nicht vertragen. Tatsächlich ist die Berichterstattung über Glutenunverträglichkeiten in den letzten Jahren massiv gestiegen und im Supermarkt wecken Aufschriften wie „glutenfrei“ oder „ohne Gluten“ unsere Aufmerksamkeit. Was viele Menschen allerdings nicht wissen: An einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) leidet nach wie vor nur etwa ein Prozent der Bevölkerung. Bei der Zöliakie handelt es sich nämlich um eine erblich bedingte Krankheit, die nicht heilbar ist. Betroffene müssen ein Leben lang auf Gluten verzichten.

Menschen, die an Beschwerden wie Durchfall und Blähungen leiden und denen es nach dem Verzicht auf Gluten besser geht, reagieren wahrscheinlich sensibel auf Gluten. Deshalb wird ihnen eine sogenannte Glutensensitivität zugeschrieben. Wer nach dem Verzehr von Brot Magen-Darm-Beschwerden bemerkt, sollte unbedingt erst einen Arzt aufsuchen und seine Symptome beschreiben, bevor Gluten eigenmächtig vom Speiseplan gestrichen wird. Ein Test auf Zöliakie kann nur dann ein eindeutiges Ergebnis liefern, wenn der Verzehr von Gluten zuvor nicht eingestellt wurde.

Laktoseintoleranz

Weltweit sind zahlreiche Menschen von einer Laktoseintoleranz betroffen: In Deutschland sind es 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung, in asiatischen und afrikanischen Ländern sogar rund 90 Prozent. Wer an dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit leidet, verträgt Milchzucker (Laktose) gar nicht oder nur in geringen Mengen. Schuld daran ist ein Enzymmangel. Betroffene sollten Produkte wie Kuhmilch oder Buttermilch nicht verzehren und öfter selbst kochen. Der Grund: Milchzucker wird für die Herstellung von Fertigprodukten verwendet und versteckt sich als Molke oder Magermilchpulver in der Zutatenliste.

Fruktoseintoleranz

Noch häufiger als von Laktoseintoleranz sind die Deutschen von Fruktoseunverträglichkeit betroffen: 30 Prozent der Erwachsenen können Fruktose (Fruchtzucker) nur in geringen Mengen verzehren, weil bei ihnen eine Störung der Dünndarmschleimhaut vorliegt. Vor allem stark fruktosehaltiges Obst wie Äpfel oder Mangos lösen Bauchschmerzen aus. Fruktose wird allerdings ebenfalls als konzentriertes Süßungsmittel in Fertigprodukten (z.B. Softdrinks) eingesetzt. Der Arzt kann eine Intoleranz durch einen Atemtest feststellen. In der Regel wird im Anschluss an eine Diagnose die persönliche Belastungsgrenze herausgefunden.

Histaminintoleranz

Die Histaminintoleranz ist in Expertenkreisen stark umstritten. Bei Histamin handelt es sich um einen körpereigenen Botenstoff, der sowohl im Körper produziert als auch mit bestimmten Lebensmitteln aufgenommen wird. Histamin kommt insbesondere in Produkten vor, an dessen Reifung Mikroorganismen beteiligt sind. Gereifte Käsesorten, Salami, Rotwein, Sauerkraut oder Schokolade sind histaminhaltig und könnten deshalb Beschwerden wie Hautrötungen, Juckreiz am Körper, Übelkeit und Erbrechen auslösen. Hier ist allerdings unklar und wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen, welche Rolle das Histamin tatsächlich als Ursache beim Auslösen der Beschwerden spielt.

Nahrungsmittelunverträglichkeit? Selber kochen ist angesagt!

In den Supermarktregalen boomt das Angebot an laktose-, gluten-, und fruktosefreien Produkten, die Betroffenen das Leben erleichtern. Eine Ernährung ausschließlich mit diesen speziellen – und oft teuren – Produkten ist aber nicht nötig. Es gibt eine Vielzahl von Lebensmitteln, die von Natur aus keine Laktose, Fruktose oder Gluten enthalten und bedenkenlos verzehrt werden können. Wer zum Beispiel kein Gluten verträgt, sollte Gemüse, Fisch, Fleisch und glutenfreies Getreide in seinen Speiseplan integrieren. Der Arzt kann dabei helfen, eine geeignete Lebensmittelauswahl zu erstellen. Wichtig ist, dass der Verzehr von Fertigprodukten möglichst gemieden wird. Bei jedem Nahrungsmittel, das nicht „clean“ – also frei von jeglichen Zusätzen ist – muss ein Blick auf die Zutatenliste geworfen werden. Nur so wird ausgeschlossen, dass Laktose und Fruktose nicht in konzentrierter Form enthalten sind. Generell empfiehlt es sich, mehr selber zu kochen – da weiß man, was drinnen steckt. Inspirationen für Rezepte bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es hier: www.kochtrotz.de

 

Quellen:
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), IN FORM (Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung): Kompass Ernährung. Ein gutes Bauchgefühl, Ausgabe 2, 2015;
Online-Informationen des Comprehensive Allergy Center Charité: www.allergie-centrum-charite.de, Abruf: 01.12.2016;
Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernähung (DGE): www.dge.de; Abruf: 01.12.2016