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Küchenparty mit Handicap und Happy End

Team Düsseldorf im November 2016

Für Arlette birgt jedes Essen außer Haus ein Risiko. Sie leidet gleich an mehreren schweren Intoleranzen. Dennoch liebt sie Genuss und Geselligkeit. Als sie von den Küchenpartys bei Steffi Grauer von kochtrotz.de erfuhr, wollte sie unbedingt dabei sein.

Ein L-förmiger Küchentresen, an jedem Ende steht eine Cooking Chef, daneben original verpackte Zutaten und jede Menge Utensilien. Es gibt "unsere Schränke und Eure Schränke" und zwei getrennte Backöfen. Ein "Gib' mir bitte mal den Schaber rüber" wird man an diesem Abend sicher nicht hören. Geräte austauschen? Bloß nicht! Auch sonst bleibt jedes Grüppchen schön für sich. Doch was nach verkniffenem Wettkampfkochen ausschaut, ist einfach einen Küchenparty mit Allergikern. Die Stimmung ist heiter, alle sind mit Spaß bei der Sache. Thema im November: Plätzchenbacken.

Beim ersten Blick auf die Gästeliste hat Steffi Grauer schon einmal kurz geschluckt: Gleich zwei Damen mit Zöliakie und eine von Ihnen, Arlette, noch mit weiteren Intoleranzen. "Aber dann war auch sofort klar, das mache ich, das kann ich stemmen. Ohne Gesundheitsrisiko für die Gäste", sagt die Düsseldorferin.
Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die aus einer Unverträglichkeit von Gluten resultiert. Eine Mischung aus Allergie und Autoimmunkrankheit, bei der schon kleinste Mengen, wie etwa Mehlstaub oder Glutenrückstände auf der porösen Oberfläche eines Holzbrettchens zu schweren Reaktionen führen können.
Für Steffi Grauer hieß das: Küche komplett dekontaminieren. Alles sterilisieren oder ultrapeinlich reinigen. Holzwerkszeuge weg, beim Backofen die Pyrolyse einleiten, Plastikunterlagen und -utensilien besorgen. Einen ganzen Tag war sie damit beschäftigt. "Praktischerweise konnte Arlette ihre eigene Cooking Chef mitbringen. Die war ja dann von Haus aus schon "glutenfrei"", erklärt Steffi. Die Zutaten belässt sie in der Originalverpackung, so kann jeder noch einmal einen Kontrollblick auf die Inhaltsstoffe werfen.
Seit Steffi Grauer selbst einen allergischen Schock erlitten hat, beschäftigt sie sich ausführlich mit Ernährung und Intoleranzen. Ihr Blog zu dem Thema ist der reichweitenstärkste auf diesem Gebiet und "ihre Kochbücher enthalten Rezepte, die wirklich funktionieren", findet Arlette.

Die Düsseldorfer Gruppe um Steffi Grauer erschuf leckere Plätzchen, immer mit einem besonderen Auge auf die Intoleranzen der TeilnehmerInnen

Bei der gebürtigen Niederländerin hat es über 30 Jahre gedauert bis erkannt wurde  warum die heute 48-Jährige ständig an Bauchkrämfen, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen litt. Ein Arzt riet ihr sogar zu psychatrischer Behandlung… Allein die Diagnose war schon eine Art Befreiung. Auch wenn nun jeder Einkauf zwei bis drei Stunden in Anspruch nimmt und der Speiseplan extrem eingeschränkt ist. "Und ich esse gern! Gemeinsame Mahlzeiten mit Familie und Freunden sind mir sehr wichtig – auch wenn ich dann manchmal nur mit einem Glas Wasser ohne Sprudel dabei sitze", sagt Arlette. Bei Steffi durfte sie von allem naschen: Spritzgebäck, Lebkuchen und Plätzchen mit Cranberrymarmelade – alles Glutenfrei.
Zusätzlicher Bonus: "Ich habe Tricks und Kniffe gelernt, wie man die Küchenmaschine einsetzen kann, dass auch Teige ohne Gluten gelingen. Bei mir haben die sich bis jetzt immer etwas zickig verhalten und es war Glückssache, was dabei herauskam…"
Auch Steffi ist begeistert von der Party, trotz des Extraaufwandes: "Es war unheimlich schön zu sehen, wie sorgsam alle miteinander umgegangen sind. Vor allem wie aufmerksam und rücksichtsvoll die Nicht-Allergiker waren. Ich glaube, es ist den ganzen Abend wirklich kein einziges Mehlstäubchen in die Luft geraten."

Das Thema der Küchenparty im November war "Plätzchen".